Deutscher Markt für Unternehmensbeteiligungen
 
Unternehmensbeteiligung
Deutscher Markt für Unternehmensbeteiligungen
Deutscher Markt für Unternehmensbeteiligungen German market for Private Equity 
 

Der Markt für Beteiligungskapital hat in Deutschland nach einem rasanten Aufschwung und der darauf folgenden zweijährigen Konsolidierungsphase einen neuen Reifegrad erreicht. Sowohl die Bruttoinvestitionen als auch das absolute Volumen des neu eingeworbenen Kapitals haben sich auf einem Niveau stabilisiert, das den Werten von 1998/99 entspricht.



Unter den Investoren hat die Asset-Klasse Private Equity zunehmend an Bedeutung gewonnen. Im Zuge der durchlebten Konsolidierung und der damit verbundenen Reduzierung der absoluten Private Equity-Investitionen ist zu betonen, dass sich heute nur solche Beteiligungsgesellschaften am Markt halten können, die in der Vergangenheit überdurchschnittliche Leistungen erbracht haben und über einen entsprechenden Erfahrungsschatz verfügen.

Mit Aussicht auf eine gesamtwirtschaftliche Erholung und im Zusammenhang mit den niedrigeren Bewertungen von börsennotierten und vor allem von nicht-börsennotierten Unternehmen blickt die deutsche Private Equity-Branche vermehrt positiv in die Zukunft. Nach Schätzungen des Bundesverbands deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften e.V. (BVK) sind die Bruttoinvestitionen im Jahre 2003 gegenüber dem Vorjahr mit € 2,4 Mrd. zwar nahezu konstant geblieben. Mit einem deutlichen Anstieg der Investitionsaktivitäten im 4. Quartal 2003 mehren sich jedoch die Anzeichen für eine Belebung des Private Equity-Geschäfts. Der gestiegene relative Anteil des Buy-out-Segments (siehe Abbildung) in den letzten zwei Jahren zeigt, dass das Konzept des Management Buy-out sich als krisenfest erwiesen hat.



Entwicklung
Trotz der in den letzten zwei Jahren beobachteten Konsolidierungsphase beurteilen Marktexperten die langfristigen Aussichten für den deutschen Private Equity-Markt positiv. Vergleicht man beispielsweise das Verhältnis von Bruttoinvestitionen in Private Equity zum Bruttoinlandsprodukt so wird deutlich, dass Deutschland trotz des Wachstums der vergangenen Jahre gegenüber anderen europäischen Ländern noch immer ein erhebliches Nachholpotenzial hat. Auffällig ist hier insbesondere der Vergleich zu Großbritannien und den Niederlanden. Neben dem aufgeführten Nachholbedarf sind die verbesserten Rahmenbedingungen für sogenannte Konzern-Spin-offs sowie die hohe erwartete Anzahl an (überfälligen) Nachfolgeregelungen im deutschen Mittelstand wesentliche Treiber dieser Marktbeurteilung.



Spin-offs
Seit Mitte der 80iger Jahre haben große Konzerne damit begonnen, sich zu restrukturieren und nicht zum Kerngeschäft zählende Randaktivitäten zu veräußern, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern und etwaige stille Reserven zu realisieren. Ein dabei volkswirtschaftlich nicht zu verachtender Nebeneffekt stellt der mit einem Spin-off oftmals verbundene Weg der Selbstständigkeit für das übernehmende Management dar. Auf diese Weise besteht die Möglichkeit, Mittelstand neu zu schaffen.

Rahmenbedingungen
Unterstützt wird dieser Trend neuerdings maßgeblich durch die Verbesserung der steuerlichen Rahmenbedingungen für derartige Transaktionen in Deutschland. Die steuerfreie Realisierung von Veräußerungsgewinnen beim Verkauf von Unternehmensbeteiligungen durch Kapitalgesellschaften hat insbesondere seit 2002 zu einer weiteren Belebung, insbesondere des Segments der Management Buy-outs, geführt. Deutsche Konzerne haben durch die Steuerreform neben dem rein strategischen einen weiteren (steuerlichen) Impuls erhalten, sich zu restrukturieren und Veräußerungen von Randaktivitäten zu beschleunigen. Davon wird nicht nur das Marktsegment der sogenannten Large Management Buy-outs (Unternehmenswert > € 150 Mio.), sondern insbesondere auch, was die Anzahl der potenziellen Transaktionen betrifft, der Bereich kleiner und mittlerer mittelständischer (Unternehmenswert € 15 Mio. - € 150 Mio.) Unternehmen (Small & Mid caps) profitieren.

Nachfolgeregelungen
Zusätzliche Dynamik auf dem Markt für Beteiligungskapital entsteht zweifelsohne durch die Vielzahl ungeklärter Nachfolgeregelungen. Während die Existenz der Nachfolgeproblematik im deutschen Mittelstand von einigen Marktteilnehmern immer wieder angezweifelt wird, belegen repräsentative Studien, dass der Generationswechsel in Familienunternehmen bereits in vollem Gange ist und das Nachfolgethema somit nicht ignoriert werden kann.

Studie Institut für Mittelstandsforschung (IfM)
In einer Studie des IfM wurde die Nachfolgeproblematik in deutschen Familienunternehmen (Umsatz < € 100 Mio., Mitarbeiter < 500, inhabergeführt) untersucht. 19 % der untersuchten Familienunternehmen haben zwischen 1996 und 2001 bereits die Nachfolge geregelt. 66 % dieser Unternehmen wurden plangemäß aufgrund des Erreichens einer Altersgrenze übergeben. Nahezu 18 % der Übertragungen fanden aufgrund eines Tätigkeitswechsels des Vorgängers statt. Ca. 16 % der Unternehmen mussten aufgrund von Tod, Unfall oder Krankheit plötzlich und unerwartet übergeben werden. Damit liegen die nicht planbaren Unternehmensübertragungen bei Familienunternehmen mit 34 % unter dem bundesweiten Durchschnitt aller Unternehmen (58 %). Die Zahlen verdeutlichen die Tatsache, dass sich bereits viele Unternehmer mit dem Thema Nachfolge auseinandersetzen. Die Befragung hat weiterhin ergeben, dass die Planung und Übergabe des Unternehmens in der Regel etwa fünf Jahre in Anspruch nimmt. Somit lässt sich die Zahl der zukünftigen Nachfolgeregelungen relativ gut abschätzen, da sich bereits jetzt viele Unternehmen mit den Nachfolgeplanungen befassen. Ausgehend von einem Bestand von 90.431 Familienunternehmen, die den o. g. Kriterien entsprechen, hat das IfM festgestellt, dass bis zum Jahr 2006 etwa 21.600 Unternehmensübertragungen stattfinden werden. Dies entspricht einer Zahl von ca. 4.300 Übertragungen pro Jahr. Es wird erwartet, dass davon 50 % innerhalb der Familie geregelt werden. Weitere 19 % sollen an andere Unternehmen (z.B. Wettbewerber) veräußert werden. Lediglich 18 % aller zu übertragenden Familienunternehmen werden im Wege von Management Buy-outs oder -Buy-ins ihre Existenz - aber insbesondere auch ihre mittelständische Kultur und Unabhängigkeit - erhalten können. Dies sind über 700 Unternehmen pro Jahr.



Eigenkapitalrichtlinien (Basel II)
Neben den strategischen und steuerlichen Überlegungen der großen Konzerne, die zu einer erhöhten Anzahl von Konzern-Spin-offs führen wird, und dem erwarteten Bedarf für die Lösung von Nachfolgeproblemen wird der deutsche Mittelstand von weiteren Faktoren beeinflusst, die Auswirkungen auf den Bedarf an Beteiligungskapital haben. Während sich die Banken aus Risiko-/Renditeerwägungen zunehmend aus der Finanzierung des deutschen Mittelstands zurückziehen, sind die Unternehmen zusätzlich durch die neuen Eigenkapitalrichtlinien für Banken (Basel II) gefordert, ihre Finanzierungsstrategie zu überdenken. Unterstützt durch diese Umstände wächst notwendigerweise die generelle Bereitschaft und Akzeptanz einer Partnerschaft mit institutionellen Eigenkapitalinvestoren auch im deutschen Mittelstand.

Wettbewerb
Zusammenfassend muss jedoch berücksichtigt werden, dass die Anzahl der potenziellen Nachfolgeregelungen im deutschen Mittelstand nur bedingt aussagefähig für die Belebung des Segmentes der Management Buy-outs in Deutschland ist. Viele der betreffenden mittelständischen Unternehmen sind für ein Engagement einer Private Equity-Gesellschaft schlichtweg zu klein. Nach wie vor ist der deutsche Mittelstand von einer großen Anzahl kleiner und mittelgroßer (Unternehmenswert bis € 25 Mio. bzw. € 150 Mio.) sowie einer vergleichsweise geringen Anzahl von großen Unternehmen (Unternehmenswert > € 150 Mio.) geprägt. Diese pyramidenartige Verteilung gilt naturgemäß analog für die Verteilung der Unternehmen, die zu den Randaktivitäten sich restrukturierender Konzerne gehören. Somit werden Private Equity-Gesellschaften, die sich auf große Unternehmenstransaktionen konzentriert haben, von der Anzahl der potenziellen Management Buy-outs im deutschen Mittelstand tendenziell enttäuscht sein.

Kleine und Mittlere Unternehmen (Small & Mid cap-Segment)
Der generelle (1) Nachholbedarf im Bereich Private Equity in Deutschland, die (2) Steuerreform und die daraus erwarteten (3) Konzern-Spin-offs, die zu regelnden (4) Nachfolgeprobleme im deutschen Mittelstand und (5) die neuen Eigenkapitalrichtlinien (Basel II) sind die wesentlichen Indikatoren, die die Attraktivität und die Chancen von Private Equity in Deutschland belegen. Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass das verfügbare Private Equity-Kapital im Bereich der Buy-outs mit sinkender Größe der potenziellen Zielunternehmen abnimmt. Im Gegensatz zu dem Segment der "großen" Management Buy-outs sind im Segment der Small & Mid caps, in dem eine große Anzahl potenzieller Transaktionen zu erwarten ist, vergleichsweise wenig Anbieter anzutreffen; zusätzlich erschwert den Zugang zu diesem Segment eine geringe Transparenz und die typischen mittelständischen "Faktoren".

Dieses Segment der kleinen und mittleren mittelständischen Unternehmen ist durch vielfältige, besondere Merkmale gekennzeichnet. So ist der Akquisitionsprozess regelmäßig (1) langwieriger und von einer (2) hohen "emotionalen Komplexität" geprägt. Der Finanzinvestor sollte in der Lage sein, das (3) Verständnis für die "mittelständische Kultur" zu entwickeln, um (4) das Vertrauen des Unternehmers, der sein "Lebenswerk" veräußert, mit (5) Geduld gewinnen zu können. Diese bedeutenden Einflussfaktoren prägen traditionell den deutschen Mittelstand und stellen nach wie vor hohe Markteintrittsbarrieren, insbesondere für ausländische Private Equity-Gesellschaften, dar.


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